Walter Benjamin und die Nachlassverwalter seines Werks im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit. Ein Bericht.




»Heerscharen europäischer und US-amerikanischer Intellektueller
arbeiten in dem Steinbruch Benjamin Profile heraus, in denen sie sich
selbst wiedererkennen. Es gibt keinen Grund, dieses Verfahren zu
denunzieren. Benjamins eigenes Netzwerk lädt dazu ein: es ist offen
für Extrapolationen nach allen Seiten. Diese eigentümliche Struktur der
Offenheit erklärt nicht nur die gegenwärtige Aufmerksamkeit, sondern
vielleicht auch die Mißachtung zu Lebzeiten.«

Eckhard Siepmann: Walter Benjamin heute (1990)



I

Die Entstehung dieser kleinen Website war geradezu zwangsläufig.

Berlin ist bekanntlich die Geburtsstadt Walter Benjamins.
Vom 15. Juli 1892 bis zu seiner erzwungenen Flucht aus dem antisemitisch=nationalsozialistischen Deutschen Reich im März 1933 lebte er in der Hauptsache in dieser Stadt.

Seit über 40 Jahren begleitet mich als Leser & Dramaturg das Werk dieses singulären Intellektuellen. Und da ich seit über 30 Jahren in Berlin lebe, war es kein große Entscheidung, sich den Berliner Spuren und Gegenwärtigkeiten des Flaneurs Benjamin mittels der Einrichtung dieser nichtkommerziellen Website zu widmen.

Unter der Domain walter-benjamin-berlin.de wurden im Februar 2008 die ersten zehn Webseiten in Netz gestellt. Als ›work in progress‹ sollen nach und nach weitere Materialien auf neuen Seiten hinzugefügt und bestehende erweitert werden –: letztlich eine Frage der mir dazu zur Verfügung stehenden Zeit.

Ein besonderes Interesse gilt im Rahmen dieser Website der Veröffentlichung einer Benjamin-Bibliographie, die selbstverständlich zu keinem Zeitpunkt keinerlei Anspruch auf auch nur annähernde Vollständigkeit erheben kann & will.




II

Mit Schreiben vom 14.10.2008 teilte mir die Suhrkamp Verlag GmbH & Co. KG wie folgt mit:



                                                                                                          Suhrkamp Verlag
                                                                                                          Frankfurt, 14. Oktober 2008
05    Sehr geehrter Herr Bäse,

05    wir haben festgestellt, daß Sie auf Ihrer Website www.walter-benjamin-de, die Sie im
05    übrigen ohne Rücksprache mit dem Suhrkamp Verlag oder den Inhabern der Urheberrechte
05    Walter Benjamins eingestellt haben, zwei urheberrechtlich geschützte Werke von Walter
05    Benjamin publizieren, deren Rechte bei Suhrkamp Verlag liegen.

05    Es handelt sich um den Text „Das bucklichte Männlein” aus der „Berliner Kindheit um
05    neunzehnhundert” und um die sechsfache Verwendung des Farbstreifens, die Walter Benjamin
05    zur Arbeit an seinen Passagen-Konvoluten mit Heftklammern befestigt hat. Der von Ihnen
05    verwendete Heftstreifen ist erstmals in dem 2006 im Suhrkamp Verlag erschienenen Band
10    „Walter Benjamin Archive” in der vorderen Einbandklappe veröffentlicht worden.

05    Wir machen Sie darauf aufmerksam, daß Sie ungenehmigt urheberrechtlich geschützte Werke
05    von Walter Benjamin verwendet haben, zu denen wir die erforderlichen Genehmigungen nicht
05    erteilt haben und um die Sie leider nicht nachgesucht haben.

05    Sie verweisen leider auch in Ihrem Copyright Vermerk nicht auf den Suhrkamp Verlag, der
15    die Nutzungsrechte an allen Werke von Walter Benjamin innehat. Der link auf unsere
05    website erfolgt leider erst am Ende Ihrer Liste.

05    Wir geben Ihnen daher Gelegenheit, diese urheberrechtlich geschützten Werke von Ihrer
05    Website zu nehmen oder hierfür ein Honorarangebot zu überstellen, des Weiteren den
05    Suhrkamp Verlag als Rechteinhaber an den Werken von Walter Benjamin in Ihrem Copyright
20    Verwerk aufzunehmen und fordern Sie auf, dies unverzüglich, spätestens aber bis

05                                 Freitag, den 24. Oktober 2008,

05    zu erledigen, da wir sonst uns gezwungen sehen, die Angelegenheit unserem Anwalt zu
05    übergeben.

05    Mit freundlichen Grüßen
05    Dr. Petra Hardt
05    Rechte und Lizenzen

05    :: Wort- und zeilenidentische Abschrift des Originalschreibens ::




III

Diesem Schreiben ist also zunächst zu entnehmen, dass sich die Suhrkamp Verlag GmbH & Co. KG dem hybriden Irrglauben verschrieben hat, dass man jedwede Website über Walter Benjamin nicht ohne »Rücksprache mit dem Suhrkamp Verlag oder den Inhabern der Urheberrechte Walter Benjamins« ins Internet zu stellen hat!

Frau Dr. Hardt weist zunächst expressis verbis darauf hin, dass die Suhrkamp Verlag GmbH & Co. KG naturgemäß nicht Inhaberin der Urheberrechte an den Werken Walter Benjamins ist. Aber wer der tatsächliche Inhaber der Urheberrechte ist, darüber schweigt sie.

In diesem Zusammenhang ist besonders hervorzuheben, dass Frau Dr. Hardt wesentliche Sachbestände und Rechtsbegriffe sehr eigenwillig verwendet:

        1     Inhaber der Urheberrechte
        2     Inhaber der Nutzungsrechte
        3     Rechteinhaber an den Werken
        4     Copyright Suhrkamp Verlag

Versuchen wir zunächst eine Begriffsklärung –:

        A     Urheberrechte         : Inhaberin ist die von Jan Philipp Reemtsma 1984 gegründete Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur.
        B     Publikationsrechte : Darunter versteht Jan Philipp Reemtsma die Übertragung der Nutzungsrechte (Interview in der taz v. 04.02.2004).
        C     Nutzungsrechte      : Inhaberin ist die Suhrkamp Verlag GmbH & Co. KG.
        D     Rechteinhaber        : Die Suhrkamp Verlag GmbH & Co. KG versteht darunter sich selbst im Sinne der unter B und C beschriebenen Nutzungsrechte.
        E     Copyright                  : Dies umfasst die unter B und C beschriebenen Nutzungsrechte.

Also alles ist ganz einfach: Die Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur hat der Suhrkamp Verlag GmbH & Co. KG ausschließlich die Publikationsrechte übertragen.




IV

In einem ersten Telefonat mit Frau Dr. Hardt am 20.10.2008 teilte diese mir mit, dass sie »von den Erben beauftragt worden« sei, sich »noch vor der Frankfurter Buchmesse« (15.–19.10.2008) mit dem Betreiber »dieser unverschämten Website« schriftlich in Verbindung zu setzen – und ihm klarzumachen, »dass die Erben Benjamins über diese Website entsetzt, ja entrüstet« seien. Voraussetzend, dass ich mich mit den jüngsten juristischen Erbschaftsstrukturen in Sachen Nachlass Walter Benjamin auskenne, fügte sie hinzu, »dass Herr Kersten [d.i. der Hamburger Rechtsanwalt Joachim Kersten] auf sofortiges Handeln« bestünde.

Meinen Vorschlag, im Kontext dieser Website den unentgeltlichen Hinweis »Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Suhrkamp Verlags« zu der bereits vorhandenen Quellenangabe(!) hinzuzufügen, lehnte sie als »Zumutung für die Erben« ab. Als ich sie bat, mir die Kosten für eine Lizenzierung des Textes auf dieser Website zu nennen, erklärte sie, sich erst einmal den Text ansehen zu müssen, um die Höhe des Honorars festlegen zu können, woraus die Schlussfolgerung zu ziehen ist, dass sie weder den Text noch diese Website kannte. Zudem wollte Sie wissen, für welchen Zeitraum (!) ich den Text zu nutzen gedenke. Sie beendete das Gespräch mit der Zusage, dass der Suhrkamp Verlag mir umgehend eine Honorarforderung für »Das bucklichte Männlein« und den verwendeten »Heftstreifen« zukommen lassen würde.




V

artnet veröffentlich auf seiner Website »Walter Benjamin in der Akademie der Künste und im Hamburger Bahnhof, Berlin - artnet Magazin« bis zum heutigen Tag exakt jenen Ausschnitt des »Papierstreifens«, den ebenfalls im Rahmen einer Collage zu veröffentlichen mir der Suhrkamp Verlag resp. die Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur verweigert. Hier der screenshot vom 07.11.2008 -:


Quelle: http://www.artnet.de/magazine/reviews/mayer/mayer11-07-06.asp


Die dort ausgewiesene Quellenangabe

                Walter Benjamin
                Farbsignets zur Übertragung „Passagen“ / „Baudelaire“
                Walter Benjamin Archiv, Akademie der Künste, Berlin
                Signatur Ms 2242
                © Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur

veranlasste mich, mich mit dem Walter Benjamin Archiv in Verbindung zu setzen, da ich in Erfahrung bringen wollte, ob diese Copyright-Angabe zutreffend sei.




VI

Ein Telefonat am 20.10.2008 mit Herrn Michael Schwarz, Mitarbeiter des Walter Benjamin Archivs, brachte keinen besonderen Erkenntnisgewinn.

Die zentrale Frage, ob der Suhrkamp Verlag unmittelbare Rechte an den im Archiv gelagerten Materialien – und somit auch dem »Hefstreifen« – verfügt oder nur über mittelbare Nutzungsrechte an die vom Walter Benjamin Archiv zur Veröffentlichung bereitgestellten Materialien, konnte Herr Schwarz nicht abschließend beantworten.

Es wurde vereinbart, ihm den Sachverhalt via E-Mail nochmals darzulegen.




VII

Telefonisch unterrichtete ich Frau Dr. Hardt über das Gespräch mit Herrn Schwarz und erbat von ihr die Telefonnummer von RA Joachim Kersten zwecks Abklärung des Sachverhalts. Sie verweigerte mir die Telefonnummer mit der Begründung: »Die können Sie sich ja beim Archiv besorgen«. Und schon flog der Telefonhörer …




VIII

Es folgte am 21.10.2008 die E-Mail an Herrn Michael Schwarz c/o Walter Benjamin Archiv:


05    Walter Benjamin Archiv
05    Herrn Michael Schwarz

05    Sehr geehrter Herr Schwarz,

05    wie telefonisch besprochen, hier die Sachlage hinsichtlich der von mir ins Netz gestellten
05     – und ersichtlich nichtkommerziellen – Website »Walter Benjamin Berlin«.

05
    Diese Website – die sich naturgemäß noch im Aufbau befindet – wurde von mir aus einem
05    einzigen Grund konzipiert, entworfen und ins Netz gestellt: Sie soll der Verbreitung des Werkes
05    von Walter Benjamin dienlich sein und unterschiedliche Beiträge zu seiner Berliner
05    Lebensgeschichte enthalten. Bis heute kenne ich keine andere Website, die dieses Thema zum Gegenstand hat …

05    Mit Schreiben vom 14.10.2008 teilte mir nun Frau Dr. Petra Hardt vom Suhrkamp Verlag wie folgt mit:

05    05    Sehr geehrter Herr Bäse,

05    05    wir haben festgestellt, daß Sie auf Ihrer Website www.walter-benjamin-berlin.de, die Sie im
05    05    übrigen ohne Rücksprache mit dem Suhrkamp Verlag oder den Inhabern der Urheberrechte
05    05    Walter Benjamins eingestellt haben, zwei urheberrechtlich geschützte Werke von Walter
05    05    Benjamin publizieren, deren Rechte bei Suhrkamp Verlag liegen.

05    05    Es handelt sich um den Text „Das bucklichte Männlein“ aus der „Berliner Kindheit um
05    05    neunzehnhundert“ und um die sechsfache Verwendung des Farbstreifens, die Walter Benjamin
05    05    zur Arbeit an seinen Passagen-Konvoluten mit Heftklammern befestigt hat. Der von Ihnen
05    05    verwendete Heftstreifen ist erstmals in dem 2006 im Suhrkamp Verlag erschienenen Band
05    05    „Walter Benjamin Archive” in der vorderen Einbandklappe veröffentlicht worden.

05    05    Wir machen Sie darauf aufmerksam, daß Sie ungenehmigt urheberrechtlich geschützte Werke
05    05    von Walter Benjamin verwendet haben, zu denen wir die erforderlichen Genehmigungen nicht
05    05    erteilt haben und um die Sie leider nicht nachgesucht haben.

05    05    Sie verweisen leider auch in Ihrem Copyright Vermerk nicht auf den Suhrkamp Verlag, der
05    05    die Nutzungsrechte an allen Werke von Walter Benjamin innehat. Der link auf unsere
05    05    website erfolgt leider erst am Ende Ihrer Liste.

05    05    Wir geben Ihnen daher Gelegenheit, diese urheberrechtlich geschützten Werke von Ihrer
05    05    Website zu nehmen oder hierfür ein Honorarangebot zu überstellen, des Weiteren den
05    05    Suhrkamp Verlag als Rechteinhaber an den Werken von Walter Benjamin in Ihrem Copyright
05    05    Verwerk aufzunehmen und fordern Sie auf, dies unverzüglich, spätestens aber bis

05    05                                 Freitag, den 24. Oktober 2008,

05    05    zu erledigen, da wir sonst uns gezwungen sehen, die Angelegenheit unserem Anwalt zu
05    05    übergeben.

05    05    Mit freundlichen Grüßen
05    05    Dr. Petra Hardt
05    05    Rechte und Lizenzen

05    In zwei gestrigen Telefonaten teilte mir Frau Dr. Hardt mit, dass sich »die Erben über diese
05    unbekannte Website bestürzt« gezeigt und sie aufgefordert hätten, »unbedingt noch vor der
05    Buchmesse in dieser Sache aktiv zu werden«. Ein inhaltliches Gespräch war nicht möglich.
05    Auch eine konkrete Honorarvorstellung seitens des Suhrkamp Verlags für die Nutzung des
05    Textes »Das bucklichte Männlein« konnte Sie mir nicht nennen, da Sie »erst den Umfang
05    des Textes« bemessen müsse. Sie werde mir Ihre »Entscheidung über die monatliche [!]
05    Nutzungsgebühr schriftlich überstellen«.

05    Da lässt sich doch nur noch der einstige Erbe Stefan Benjamin zitieren:
05    »Die Radieschen strengen meine Zunge an. Ich glaube ich muß Wasser trinken.«
05    (Walter Benjamin Archive, S. 99) … … …

05    Der Ausschnitt von Benjamins Papierstreifen mit den Farbsignets zur Übertragung
05    »Passagen / Baudelaire« [Benjamin Archiv, Ms 2242] ist in sechsfach unterschiedlicher Form &
05    Größe Bestandteil einer von mir hergestellten Collage auf der o.a. Website.

05    Richtig ist: ich habe zum Zeitpunkt der Veröffentlichung versäumt, ausdrücklich auf die
05    Rechteinhaber des Materials hinzuweisen.

05    Um diesen Fehler zu korrigieren und die Bitte um die (weitere) Veröffentlichung an den
05    Rechteinhaber zu richten, müsste ich nun zunächst wissen, wer der genehmigungsberechtigte
05    Rechteinhaber tatsächlich ist.

05    Den Suhrkamp Verlag hatte und habe ich allerdings dabei nicht auf der Rechnung, denn auf
05    Ihrer Website des Walter Benjamin Archivs gibt es bzgl. der Abbildung von »Ms 2242« keinen
05    Hinweis, der den Suhrkamp Verlag als Rechteinhaber ausweisen würde. Daraus ist zu schließen,
05    dass die Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur die Rechteinhaberin ist.

05    Bestätigt finde ich diese Annahme u.a. auch durch die Abbildung von »Ms 2242« auf der
05    Website von »artnet« mit der Bildunterschrift:

                Walter Benjamin

                Farbsignets zur Übertragung „Passagen“ / „Baudelaire“
                Walter Benjamin Archiv, Akademie der Künste, Berlin
                Signatur Ms 2242
                © Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur

05    Der Copyright-Vermerk ergab sich offenkundig aus den Presseunterlagen, die »artnet« seinerzeit erhalten hat.
05    Somit habe ich einstweilen diesen Vermerk auf einer neuen Website – wb-rechte – in Netz gestellt.

05    Ich wäre Ihnen sehr dankbar, ließe sich das Verweilen der Collage auf der Website durch Ihre Hilfe ermöglichen.

05    Mit Dank und freundlichen Grüßen
05    Axel Bäse




IX

Eine Antwort von Herrn Schwarz habe ich leider nie erhalten.




X

Stattdessen teilte mir die Suhrkamp Verlag GmbH & Co. KG mit Schreiben vom 27.10.2008 wie folgt mit:



                                                                                                          Suhrkamp Verlag
                                                                                                          Frankfurt, 27. Oktober 2008
                                                                                                          ph/ad
05    Sehr geehrter Herr Bäse,

05    nach erneuter Rücksprache mit der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und
05    Kultur darf ich Ihnen mitteilen, daß wir Sie bitten, den Text „Das bucklichte Männlein“ aus
05    „Berliner Kindheit um neunzehnhundert“ und die sechsfache Verwendung des Farbstreifens
05    aus „Walter Benjamin Archive“ aus Ihrer website zu nehmen.

05    Entgegen Ihrer Mitteilung hat Herr Schwarz versichert, daß er Ihnen ausdrücklich gesagt
05    habe, daß auch die Rechte für die Farbstreifen beim Suhrkamp Verlag liegen. Wir möchten
05    sie daher erneut bitten, beides bis zum 15. November 2008 aus Ihrer website www.walter-
05    benjamin-berlin.de zu entfernen.

10
    Von dem Vorschlag, die Angelegenheit durch eine Honorierung Ihrerseits zu regeln, möchten
05    wir hiermit zurücktreten.

05    Mit besten Grüßen
05    SUHRKAMP VERLAG

05    Dr. Petra Hardt
05    Rechte und Lizenzen
05    – nach Diktat verreist –

05    i.A. Claudia Brandes

05    :: Wort- und zeilenidentische Abschrift des Originalschreibens ::




XI

Nach einem solchen Diktat ist es durchaus verständlich, sich vom Ort des Geschehens umgehend zu entfernen. Die sprachlichen resp. stilistischen Unzulänglichkeiten sprechen für sich. Inhaltlich aber ist dieses rundum peinliche Schreiben ein veritables Dokument legalistischer Rechtskultur(losigkeit) und verlegerischer Willkür.

Jan Philipp Reemtsma hat sich unzweifelhaft mit seinen vielen Stiftungsinitiativen große Verdienste erworben.

Aber es kann doch nicht angehen, dass der Erwerb der Nachlässe von Walter Benjamin, Theodor W. Adorno, Arno Schmidt und Jean Améry dazu führt, dass die schlichte Lizenzierung eines kleines Textes und die Wiederabbildung eines wenige Quadratzentimeter großen Papierstreifens begründungslos und somit willkürlich untersagt werden.

Ein solches Handeln durch die heutigen Erben des »Passagen«-Autors(!) ist ein Akt surrealer Paradoxie.

Zumal aus dem Kontext dieser Website erkennbar hervorgeht, dass die Verwendung von Benjamin-Materialien – unter Wahrung der Urheber- resp. Nutzungsrechte – nur als Vorteil für Autor, Verlag und Stiftung zu verstehen ist.






XII

© DIE KUNSTKANZLEI




Stand: Berlin, 07.11.2008



Hinweise zu den einstmals verwendeten Materialien: